Abschiede sind unbequem. Und doch sind sie für gelingende Transformation und Veränderungen unverzichtbar. Hier lesen Sie, warum es eine zentrale Leadership-Kompetenz ist, Transitionen und Exnovation bewusst zu gestalten. Dabei geht es darum, Altes und in der Zukunft nicht mehr Benötigtes zu würdigen, zu verabschieden und loszulassen, und warum das für erfolgreiche Veränderung so wichtig ist.
Üblicherweise beginnen kleine und größere Veränderungen in Unternehmen mit einem klaren Fokus auf das Neue: neue Technologien, neue Prozesse, neue Strukturen, neue Ziele. Die Kommunikationsstrategie zeichnet ein Bild der wunderbaren Zukunft. Die Veränderung zielt auf Optimierung, Verbesserung, wahrscheinlich auf mehr Effizienz und ganz sicher auf die Sicherung der Zukunftsfähigkeit. Das ist verständlich – die VUCA-Welt macht Wandel zur Daueraufgabe von Organisationen.
Ob veraltete Prozesse, liebgewonnene Routinen oder überholte Geschäftsmodelle – Transformation bedeutet immer auch, dass etwas endet. Doch statt diesen Abschied zu gestalten, wird er oft ignoriert. Dabei ist genau dieser Schritt essenziell für die innere Anschlussfähigkeit: emotional, kognitiv und kulturell. Führungskräfte, die diese Dynamik erkennen, können Übergänge so gestalten, dass aus Widerstand Energie wird – und aus Unsicherheit Vertrauen.
Übergang heißt: Altes beenden und Raum für Neues schaffen
„Veränderung beginnt nicht mit dem Neuen. Veränderung beginnt mit einem Ende“, schreibt die Systemikerin Ruth Seliger. Transitionen sind kein Nebenschauplatz von Transformation – sie sind ihre Veraussetzung. Nur wer das Alte würdigt und bewusst verabschiedet, kann das Neue wirklich etablieren. Wenn jedoch, wie in unserem Unternehmensalltag üblich zu einer ohnehin schon hohen Belastung immer noch mehr Neues obendrauf kommt und nie etwas von dem, was nicht mehr benötigt wird, mit Erlaubnis und Verabschiedung losgelassen wird: Wo soll da die Bereitschaft zu noch mehr Neuem denn herkommen!?!?
Noch immer belegen aktuelle Studien namhafter Beratungsunternehmen und wissenschaftlicher Institutionen, dass ein erheblicher Anteil aller Veränderungsprojekte scheitert oder nur einen Bruchteil der gesetzten Ziele erreichen. Einer der häufigsten Gründe: mangelnde emotionale Akzeptanz im der Belegschaft, in den Teams. Menschen, die sich nicht gesehen fühlen, die ihre Erfahrungen und Leistungen entwertet erleben, blockieren unbewusst – oder klinken sich schlimmstenfalls ganz aus.
Noch immer belegen aktuelle Studien namhafter Beratungsunternehmen und wissenschaftlicher Institutionen, dass ein erheblicher Anteil aller Veränderungsprojekte scheitert oder nur einen Bruchteil der gesetzten Ziele erreichen. Einer der häufigsten Gründe: mangelnde emotionale Akzeptanz im der Belegschaft, in den Teams. Menschen, die sich nicht gesehen fühlen, die ihre Erfahrungen und Leistungen entwertet erleben, blockieren unbewusst – oder klinken sich schlimmstenfalls ganz aus.
Ein solches Verhalten, oft übersetzt als „fehlendes Transformationsverständnis“ ist keine böse Absicht. Es ist eine zutiefst menschliche Schutzreaktion. Wer sich nicht verabschieden darf, kann auch nicht loslassen. Und wer nicht loslässt, bleibt mit einem Bein im Alten stehen. Genau hier beginnt die bewusste Gestaltung von Transition als wichtige Führungsaufgabe in Verbindung mit Transformationen:
- Raum schaffen für Reflexion,
- das Erreichte würdigen,
- bewusst Abschied nehmen von dem, was zukünftig nicht mehr benötigt wird oder einfach veraltet ist
- Gelegenheit zum Loslassen schaffen
So vorbereitet, kann das Neue kommen!

Leadership-Kompetenzen für Exnovation und Transition
Die gute Nachricht: Diese Übergangsprozesse lassen sich gestalten! Mit Haltung. Mit Sprache. Und mit kleinen, aber wirksamen Ritualen. Führungskräfte benötigen dafür ein Bewusstsein für die Bedeutung von bewusster Übergangsgestaltung und die notwendigen Kompetenzen, um den Mitgliedern in ihren Teams sich zu verabschieden. Dazu kann es gehören, eine Übersicht zu erarbeiten, welche der bisherigen Tätigkeiten und Prozessschritte zukünftig nicht mehr erforderlich sind, was wie ersetzt wird. Eine zentrale Leadership-Kompetenz ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit einem menschlichen Gefühl für das im Arbeitsalltag eher kein Platz ist: Trauer.
Egal, ob nach dem Transitions-Modell von William Bridges oder der Kübler-Ross-Change-Kurve: Bevor das Neue zum Fliegen kommt, geht die Energie erstmal in den Keller. Wer da einfach achtlos drüber wegbügelt, muss mit Gefühlen rechnen, die einer Veränderung garantiert nicht zuträglich sind: Kränkung, fehlende Wertschätzung (aufgrund wahrgenommener Ignoranz) und Angst vor Überlastung wegen fehlender Orientierung, was wie ersetzt wird und was nicht mehr getan werden muss.
Es muss ja nicht gleich ein „Friedhof der Ideen“ wie bei Google sein, auf dem nicht mehr weitergeführte Produkte und direkt abgebrochene Entwicklungsversuche „zu Grabe“ getragen und in Erinnerung gehalten werden (denn schließlich haben auch bei diesen Menschen Kreativität, Überzeugung, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Zeit eingebracht). Oft hilft schon das, was in agilen Prozessen die „Retros“ leisten: Reflexion des Gewesenen, um für die Zukunft daraus zu lernen und das, was nicht hilfreich war, nicht zu wiederholen.
Transition in der Praxis
Neben der Retro und bewussten Projektabschlüssen, die jeweils einen Blick zurück ermöglichen, eignen sich für die Exnovation symbolische „Shutdown“-Events bzw. Abschluss-Feiern, Townhall-Meetings, in denen die Reflexion des Gewesenen und der Abschied im Fokus stehen, ein Team-Meeting, das sich ausdrücklich dem widmet, was bis hierhin gut war und zukünftig nicht mehr sein soll. Wichtig ist: Die Gestaltung eines Endes für einen anschlussfähigen Übergang braucht Reflexion und Management-Unterstützung sowie die notwendigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen, um Würdigung, Verabschiedung und Loslassen zu ermöglichen.
Exnovation – Altes beenden
Der bewusste Rückbau von Prozessen, Denkweisen und Systemen, die nicht mehr ins Zielbild passen, ist kein Makel, sondern ein Zeichen von Reife. So entsteht ein Raum, in dem Veränderung nicht als Überforderung erlebt wird, sondern als Prozess mit klaren Etappen. Würdigung, Trauer und Loslassen, bzw. das, was ich als Exnovation bezeichne, gehört genauso dazu wie Visionsarbeit und Zielorientierung und schließlich das Lernen des Neuen.
Fazit: Transformation braucht Abschiedskultur
Der bewusste Rückbau von Prozessen, Denkweisen und Systemen, die nicht mehr ins Zielbild passen, ist kein Makel, sondern ein Zeichen von Reife. So entsteht ein Raum, in dem Veränderung nicht als Überforderung erlebt wird, sondern als Prozess mit klaren Etappen. Würdigung, Trauer und Loslassen, bzw. das, was ich als Exnovation bezeichne, gehört genauso dazu wie Visionsarbeit und Zielorientierung und schließlich das Lernen des Neuen. Fazit: Transformation braucht Abschiedskultur
Transformation ist kein linearer Weg von A nach B. Sie ist ein Übergangsprozess – für Menschen, für Teams, für Organisationen. Wer diesen Übergang bewusst gestaltet, holt Menschen emotional ab, reduziert Reibungsverluste und schafft echte Anschlussfähigkeit für das Neue.
Führungskräfte, die das erkennen, investieren nicht in Nostalgie – sondern in nachhaltige Wirksamkeit.
Der Abschied ist nicht das Ende. Er ist der Anfang vom Gelingen.
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